Wallfahrtskirche

  Die erste Kirche

Die Klostergründung in Martental geht auf das Jahr 1140 zurück, wahrscheinlich ist mit dem Kloster auch die erste Kirche erbaut worden.

Ob es einen älteren Kultplatz oder bereits eine Kapelle im Tal gab, kann nur gemutmaßt werden. In einer Bulle bestätigt Papst Eugen III. (1145-1153) neben anderen Klöstern den Besitz in Martental, dabei wird auch die Kirche erwähnt: ".... ecclesiam qua sita est in valle martirum cum posessionibus et omnibus pertinentiis suis" (die Kirche, die im Tal der Märtyrer liegt, mit Gütern und allen Gefällen). Die Augustiner-Eremiten scheinen nicht lange im Tal der Märtyrer geblieben zu sein. Anfang 1200 sind Augustinerinnen in Martental eingezogen.

Erzbischof Johann von Trier (1189-1212) bestimmt 1211 in seinem Testament Geld zur Unterhaltung des Ewigen Lichtes in verschiedenen Kirchen und Klöstern darunter auch "Mardildal".

Um 1680 gilt das Gotteshaus als "halb verfallen". 1681 wird unter der Leitung Springiersbachs ein Klosterneubau mit Kirche errichtet. Da aber keine klösterliche Gemeinschaft mehr vor Ort bestand, wird mit dem Klosterneubau wohl eine Eremitage an der Kirche oder das Wohnhaus des oberhalb gelegenen Hofes gemeint sein. 1737 wurde die Kirche erneuert oder neu erbaut. Im Portalbogen war die Zahl 1737 eingemeißelt, ebenso auf einem Weihwasserbecken. Seit etwa 1720 waren bis 1808 Einsiedler in Martental, die die Wallfahrtskirche betreuten und in der daran angebauten Einsiedelei wohnten.


Heiligenverehrung und Wallfahrten

Ursprünglich hatte die Wallfahrt nach Martental die Verehrung des Heiligen Märtyrers Achatius und seiner Gefährten zum Ziel. Achatius war Patron der alten Kirche im Tal. Vielleicht lockten auch die ausgestellten Reliquien, die mehrmals erwähnt aber nie genauer beschrieben werden, Menschen zur Verehrung an. Nach der Überlieferung waren die besonderen Feiertage die Gedenktage des Hl. Achatius und der 10 000 Märtyrer am 22. Juni, die Hl. Vierzehn Nothelfer, der Hl. Apollinaris und der Hl. Augustinus als Ordenspatron der ehemaligen Klosterleute.

Aus Berichten des 18. Jahrhunderts gehen Wallfahrtstraditionen der umliegenden Orte hervor, die durch die französische Besatzung und die folgende Säkularisation abgebrochen wurden.

So hatte am Freitag nach dem 22. Februar (Petri Stuhlfeier) und am Freitag der 3. Woche der Fastenzeit der Pastor von Alflen in Martental gestiftete Seelenmessen zu feiern. An den Bitt-Tagen um Christi Himmelfahrt zog die Gemeinde Alflen freitags nach einer Messe in der Pfarrkirche in Prozession zur Kapelle nach Martental. Ebenso zog die Gemeinde am 22. Juni zum Fest des Heiligen Achatius ins Tal der Heiligen Märtyrer (nach Angaben eines Pfarrbuches von 1727). In der Fastenzeit war jeden Freitag ein festlicher Gottesdienst. Die hl. Messe feierte der Pastor von Masburg, es predigte ein Kapuziner aus Cochem. Alljährlich zog eine Sakramentsprozession am Ostermontag von Masburg nach Martental. Die Leute von Müllenbach und Leienkaul und andere Pilger beteiligten sich. Am Ostermontag 1794 fand die letzte Sakramentsprozession der Pfarrei Masburg statt. Obwohl das Bild der Schmerzhaften Mutter schon lange Zeit in der Kirche vorhanden gewesen sein muss, wird noch nichts von einer Marienwallfahrt berichtet.

 

Wallfahrt der Neuzeit - zur Schmerzhaften Mutter

1904 wurde Martental wiederbesiedelt. Der Redemptoristen Pater Joseph Tillmanns gründetet dort die "Gesellschaft der göttlichen Liebe". Das Gnadenbild der Schmerzensmutter fand in der neuen Klosterkapelle seinen Platz für 20 Jahre, da die Kapelle im Tal in Ruinen lag. Es wird berichtet, dass durch die Zeit hindurch kontinuierlich einzelne Pilger die Kirchenruine zum Gebet aufsuchten und anschließend auch zum neuen Kloster gingen, um dort in der Hauskapelle vor dem Gnadenbild zu beten. Auf Pater Tillmanns geht die Erweiterung des Ortsnamens um den Namen der Gottesmutter zu "Maria Martental" zurück. Er warb bereits in seinen Schriften für den Wiederaufbau der Wallfahrtskirche.

Auf Anregung der Pfarrer der Region und der Herz-Jesu-Priester (seit 1927 in Martental) sowie durch die Gutheißung des Bischofs wurde 1934 der Wiederaufbau der Wallfahrtskirche beschlossen. Bereits in der Fastenzeit wurden Gottesdienste in der Kirchenruine gefeiert. Am ersten Sonntag im Mai fand eine große Wallfahrt der damaligen Dekanate Kaisersesch und Lutzerath zur alten Ruine statt.

Besondere Feiertage sind heute der Schmerzensfreitag (Freitag vor Palmsonntag), das Herz-Jesu-Fest und die Woche um den Gedenktag der sieben Schmerzen Mariens am 15. September.

1945 legte die Pfarrei Nachtsheim am 21. Januar ein Gelöbnis zur jährlichen Wallfahrt nach Maria Martental ab und unternimmt seither eine Fußwallfahrt am 1. Mai. Seit dieser Zeit wallfahrtet auch die Pfarrei Retterat am Christi Himmelfahrtstag zur Schmerzensmutter. In der Festwoche im September kommen an verschiedenen Tagen Wallfahrtsgruppen aus dem Umliegenden Orten. Das Jahr über fahren zahlreiche Gruppen mit Bussen den Wallfahrtsort an. Die Teilnehmer dieser Wallfahrten stammen teils aus der Region, aber mehrheitlich aus Orten jenseits der Bistumsgrenze.

  Kirchenruine und Wiederaufbau

Im Zuge der Säkularisierung wurde die Wallfahrtskirche geschlossen, das Inventar entfernt und so begann allmählich der Verfall. Die Kirche mit dem zugehörigen Gelände erwarb der "Rauschmüller". Die preußische Forstverwaltung hat die Ruine und die dazu gehörenden Parzellen 1856 von den Kindern des Müllers zurückgekauft.

Nach längeren Verhandlungen mit der Preußischen Staatsforstverwaltung (seit 1929) ging das Gelände im Tal mit der Ruine und dem Gnadenbild durch Vertrag vom 14. Oktober 1932 in den Besitz des Klosters der Herz-Jesu-Priester über.

Unter tatkräftiger Hilfe wurde 1934 die Ruine niedergelegt und auf ihren Grundmauern eine neue Wallfahrtskirche gebaut. Die Männer der Region haben Arbeits- und Spanndienste geleistet.

Seit dem 23. März 1934 wird der Scherzensfreitag als besonderer Wallfahrtstag begangen.

Am 22. Juli 1934 war Grundsteinlegung, und am 16. September 1934 das Richtfest.

Die Glasfenster, größtenteils Stiftungen der umliegenden Pfarreien, stammen von der Glasmalerei Fries, Trier. Die Entwürfe für die Ausmalung und die Mosaike am Herz-Jesu- und Josefsaltar stammen von Br. Notker, Maria Laach. Am 4. August 1935 erfolgte die Weihe zwei neuer Glocken und am 15. September, dem Fest der Schmerzensmutter, die feierliche Benediktion der Wallfahrtskirche durch Weihbischof Albert Fuchs mit 20 000 Wallfahrern.

  Ausbau und Erweiterung

Anlässlich des 25jährigen Bestehens der Pfarrvikarie konsekrierte 1960 Bischof Dr. Matthias Wehr die Wallfahrtskirche als Pfarrkirche.

1968/71 wurde eine offene Halle mit Altar und Kirchenbänken für die großen Wallfahrten angebaut. 1972/73 wurde der vordere Teil der alten Kirche (Chorraum, Seitenkapellen und Außenaltar) abgerissen, um daran eine großräumige moderne Kirche anzubauen. Das Gnadenbild fand seinen neuen Ort in einem künstlerisch gestalteten Rosenkranz aus Bronze über dem Altar.

Am 31. März 1974 fand die Konsekration des neuen Altares und der neuen Kirche durch Weihbischof Alfred Kleinermeilert statt. Kirche und Altar wurden zu Ehren der scherzhaften Mutter Maria, der Königin der Märtyrer geweiht. In das Reliquiengrab wurden die aus dem früheren Altar übernommenen Reliquien des Hl. Märtyrer Papstes Xystus und der unzähliger Trierer Märtyrer eingeschlossen, sowie die neue Konsekrationsurkunde und die alte Urkunde von 1960. Während der Bauzeit diente ein großes Zelt auf dem Parkplatz für die Gottesdienste.

Im Laufe der Jahre zeigten sich Schäden an der Wallfahrtskirche: Risse in den Wänden, undichte Stellen am Dach. Sanierungen wurden notwendig. Mit dem Plan der Sanierung stellte sich wieder die Frage nach der Neugestaltung des Kirchenraumes. So wurden 2006 Orgel und Orgelbühne an den Haupteingang verlegt, das Gnadenbild aus dem Chorbogen entfernt und in den Teil der alten Kirche versetzt, die gemalten Kreuzwegszenen restauriert und übermalte Bilder wieder freigelegt.