Kloster Martental - eine Gründung des Klosters Springiersbach
Vorgeschichte

Um 1090 wird ein Hof Thermunt im Kondelwald als Besitz des pfalzgräflichen Ministerialen Ruker genannt. Um 1100 zieht Rukers Witwe Benigna sich nach Thermunt zurück, um mit Gleichgesinnten eine Klosterzelle zu errichten. 1102 weiht der Trierer Erzbischof Bruno (1102-1124) in Gegenwart des Pfalzgrafen Siegfried von Ballenstedt die junge Klosterzelle. Dieses Ereignis darf als Gründungsakt des Klosters Springiersbach gelten.
Der erste Abt Richard I., ein Sohn der Benigna, gründet den strengen 'ordo novus' (die 2. reformierte Ordensregel des hl. Augustinus) und macht Springiersbach zu einem bedeutenden wissenschaftlichen und geistigen Zentrum. Springiersbacher Chorherren wirken danach als Reformäbte in Frankenthal (1119), in Steinfeld (1123), in Klosterrath (Rolduc) (1124) und in Bolanden (1129). Klostergründungen erfolgen von Springiersbach aus in Lonnig (1119/23), Andernach (St. Thomas, 1127), Stuben (1139), Martental (1140) und Marienburg (1145). Unter Springiersbacher Leitung waren zeitweise auch die Klöster St. Irminen in Trier (1148), Wadgassen (um 1135), Merzig (1152) und Pedernach bei Boppard (1157).






römische Münzen

Geschichte des Klosters Martental
Zur Gründungsfrage

In einer Urkunde aus dem Jahre 1141 lesen wir: Erzbischof Arnold von Köln schenkt den Brüdern von "Mardyrdal", die in allem der Kirche in Springiersbach unterstellt sind, einen Lohberg und einen Weinberg bei Sele (Sehl bei Cochem).
[Arnold I. von Randerode 1137-1151 Erzb. von Köln, begabte 1141 das Kloster Martilthal bei Springiersbach, er erhielt durch Verzicht des Grafen Otto von Rheineck 1144 die Vogtei über das Kloster Laach und durch Tausch mit dem Kloster Springiersbach den Ort Sehl bei Cochem.]
Es drängt sich die Frage auf, warum gründet man ein Kloster an einem abgelegenen und einsamen Ort? Wahrscheinlich ist dafür die uralte Bezeichnung "Tal der Märtyrer" ausschlaggebend gewesen. Nachweißlich führte eine Römerstraße von Andernach nach Trier in der Nähe vorbei und musste das Enderttal überwinden. Ein auch Jahrhunderte später wichtiger Handelsweg. Die Legende nimmt ein römisches Lager für Strafgefangene an. Von den frühen Christen, inmitten des römischen Heeres, die in der Zeit der Verfolgung, wegen ihres Bekenntnisses hingerichtet worden seien, habe das Tal den Namen erhalten. Was kann hier tatsächlich geschehen sein? Kaiser Diokletian (285-305), war erst christenfreundlich, später ihr schlimmster Feind. Seine Edikte:
1. Edikt (303) : Zerstörung der Kulträume und der heiligen Schriften.
2. Edikt (303) : Gefangensetzung des Klerus.
3. Edikt (303) : Opfergebot für den Klerus. Bei Verweigerung, Anwendung von Zwangsmaßnahmen bis hin zur Todesstrafe.
4. Edikt (304) : Opferbefehl für alle Christen.
Betroffen von diesen Maßnahmen waren neben dem Klerus auch Beamte und Offiziere. Im Raum Trier und im Moseltal gab es viele römische Siedlungen mit entsprechender Verwaltung, ebenso gab es im Heer viele Christen. Es ist bekannt, dass einige Beamte und Offiziere das Weihrauchopfer vor der Statue des Kaisers nicht dargebracht haben. Ist es nicht möglich, dass solche Christen im Gefangenenlager am Sesterbach hingerichtet worden sind? Hin und wieder liest man die falsche Behauptung, im Martental hätte ein Teil der thebäischen Legion den Martertod erlitten. Dies ist geschichtlich nicht belegbar.
Eine andere Erzählung nimmt eine heidnische Opferstätte im Tal an, die möglicherweise auch in römischer Zeit genutzt, aber in der Christianisierung mit einer Kirche überbaut worden sei.
Ein Vorgang, der in der Umgegend mehrfach belegt ist. Die Wahl des Heiligen Soldaten Achatius und seiner Märtyrergefährten als Patrone des Kirchleins hätten demnach die Märtyrer "ins Tal gebracht".
Ein anderer Anhaltspunkt könnte die später blühende Märtyrerverehrung des Trier Landes sein, die ganz bewusst einen stillen und ungestörten Ort für das Klosterleben suchte. Die Klostergründung in der weltabgelegenen Schlucht lässt vielleicht auf besonders asketisch eingestellte Mönche und Nonnen schließen. In jener Zeit sprießen Klostergründungen für die Versorgung der Kinder des Adels überall in der Region geradezu 'aus dem Boden' ebenso vereinzelte Zellen für Eremiten (neben den Springierbacher Tochterklöstern vgl. Zisterzienserinnen-Kloster Rosental 1240 zwischen Binningen und Wirfus, Prämonstratenserinnen-Kloster Maria Engelport 1262, Kloster Mädburg bei Kehrig - alle drei in abgelegenen Seitentälern der Mosel gelegen). Ein Beispiel für die erwähnte Märtyrerverehrung jener Zeit gibt das Kloster St. Marien in Trier, dessen Wurzeln ins 7. Jahrhundert zurückreichen, welches im 12. Jahrhundert als Reaktion auf die weit verbreitete Heiligenverehrung die Namenserweiterung St. Marien "ad martyres" (zu den Märtyrern) vornimmt.
Die in der Kirche aufgestellten (nicht unbedeutenden) Reliquien, die im Aufhebungsprozess des Augustinerinnenkonvents ab 1520 erwähnt werden, sowie die erwähnten Bestattungen, haben zur Verpflichtung Springiersbachs geführt, weiterhin einige Messen während der Woche feiern zu lassen. Die zahlreichen Gräber- und Gebeinfunde innerhalb und außerhalb der alten Kirche legen die Tradition der Bestattung 'ad sanctos' nahe, um auch nach dem Tod, den verehrten Heiligen und ihren Reliquien möglichst nahe zu sein.
Bei den Bauarbeiten in den 30er Jahren wurden bei der Kirchenruine römische Münzen aufgefunden, die leider bei einem Einbruch aus dem Besitz des Klosters gekommen sind.
Es handelte sich um eine Münze des Antonius Augustus Pius (138-161) mit Bild und Namen auf der Rückseite eine Göttin neben einem Opferaltar sowie eine Münze Konstantin I. (306 - 337) auf der Rückseite die Darstellung des "sol ivictus".
1999 wurde in der Gemarkung 'Heupelberg' oberhalb der Wallfahrtskirche am Ortsrand von Leienkaul ein römisches Grab freigelegt. In der aus schwerem Basalt gefertigten Aschenkiste wurdem eine sechseckige Glasflasche, eine weitere Flasche und eine bauschige Urne aus blauem Glas aufgefunden. Bisher nicht weiter untersuchte Grundmauern liegen in dieser Gemarkung unter der Grasnarbe verborgen und weisen auf eine römische Besiedlung hin.
Weitere Erwähnungen des Klosters Martental
1144
Kaiser Konrad III. (1138-1152) bestätigt der Abtei Springiersbach ihre Besitzungen,
darunter wird auch das Kloster "in valle martyrum" genannt.
1145
In einer Bulle bestätigt Papst Eugen III. (1145-1153) neben anderen Klöstern den Besitz in Martental: ".... ecclesiam qua sita est in valle martirum cum posessionibus et omnibus pertinentiis suis" (die Kirche, die im Tal der Märtyrer liegt, mit den Gütern und allen Gefällen). Die Augustiner-Eremiten scheinen nicht lange im Tal der Märtyrer geblieben zu sein. Anfang 1200 sind Augustinerinnen in Martental eingezogen.
1211
Erzbischof Johann von Trier (1189-1212) hat in seinem Testament bestimmt: "ut lumen ante majus altare die nocturne incessanter ardeat..." (damit Tag und Nacht ununterbrochen das (ewige) Licht am Hochaltar brenne), dass 12 Kirchen und Klöster 10 libras, und 28 Kirchen und Klöster 5 libras erhalten. (1 libra = 1 Pfund Silber). Alle werden namentlich aufgezählt, unter den letzten auch "Mardildal".
1212
Derselbe Erzbischof von Trier schenkt dem Stift Carden die Pfarrei Masburg mit allen Rechten; u.a. erhielt der Vikar "1/3 des Zehnten vom Hof der Nonnen in Martildal". Hier wird erstmalig auch ein landwirtschaftliches Gut, der "Martentaler Hof" erwähnt.


Siegel der
Augustinerinnen

1283
Dagmar von Hochheim "vermacht den Nonnen von Martildal ungenannte Geldlegate". Papst Bonifatius VIII. (1294-1303) überträgt den Schutz der Nonnen des Ordens des hl. Augustinus dem Dechanten in Carden.
1336
Die Brüder "Mathys und Heinrich von Clotten verpachten einen Hof an den Convent in Martildal".
1383
"Heinrich von dem Vorste bei Ulmen schenkt dem Kloster Martildal 7 Malter Korngülte".
1385
Es existiert ein Verzeichnis der Weingärten des Klosters Martedal bei Clotten.
1422
Die Eheleute Thys Symontz und Else von Illerich pachten von Beatrix, Nonne zu Rosenthal und Else von Treis, Nonne zu Martental, je eine Wiese und ein Feld auf dem 'Würtzen Born' zu Illerich und 'an der Hollen' zu Landkern. 
1480
Es wird ein Erbschaftsbrief zwischen dem "Kloster Martedahl und einem Jeckel Wolf abgeschlossen.

1481
Ein Siegelabdruck des Augustinerinnen Konventes von 1481, der im Landeshauptarchiv Koblenz aufbewahrt wird, trägt abgekürzt die Aufschrift "SIGILLUM ECCLESIE SANCTE MARIE SANCTIQUE IOHANNIS EWAGELISTA IN MARTILDAL". Auf dem Siegel sind Maria und Johannes unter dem Kreuz dargestellt. Demnach war das Kloster Maria und Johannes geweiht.

 

Gnadenbild

Das Gnadenbild der Schmerzensmutter (Pietà) ist als Holzschnitzarbeit von einem unbekannten Künstler Ende des 15. Jh. geschaffen worden. Nach der Auflösung des Klosterbesitzes 1802 wurde das Kircheninventar nach Masburg verbracht. Das Gnadenbild sei aber in einem Privathaus aufbewahrt worden. Es wird auch erzählt, es sei im Hochpochtener Forsthaus verwahrt worden. 1905 befand es sich 'in schlechtem Zustand' in einer Nische der Kirchenruine und fand dann seinen Platz in der Hauskapelle des neuen Klosters der "Gesellschaft der Göttlichen Liebe" und wurde 1909 erstmals restauriert. 1935 wurde das Gnadenbild in feierlicher Prozession in die neue Wallfahrtskirche übertragen, zuvor war es von Bildhauer Paul Rautzenberg in Köln überarbeitet worden.

Kapelle Hochpochten

1513
"Thye von Wederbach" wird als Meisterin des Klosters Martendahl genannt.
1520
Wegen Verarmung, Mangel an Nachwuchs (nur noch zwei Nonnen) und Unsicherheit hat der Abt von Springiersbach, Johann Print von Horchheim (1493-1530), die Auflösung des Nonnenklosters in Rom beantragt. Papst Leo X. (1513-1521) löste am 14.04.1521 das Kloster auf. Infolge seines Todes wurde das Dekret nicht veröffentlicht, auch nicht unter seinem Nachfolger, der nur 20 Monate Papst war.
1523
Erst Papst Clemens VII. (1523-1534) löste durch Dekret vom 12.11.1523 das Kloster in Martental auf. Erzbischof Richard von Greiffenklau hat der Aufhebung Martental seine Zustimmung verweigert.

1541
Diese erteilte erst sein Nachfolger, Johann Ludwig von Hagen, mit Urkunde vom 28. April 1541. Papst Paul III. (1534-1549) hat dem Stift Springiersbach den Klosterbesitz zugesprochen, allerdings mit Bedingungen: Martental wird Propstei; es sind wöchentlich zwei oder drei hl. Messen zu feiern zum Trost der armen Seelen, deren sterbliche Überreste dort die Auferstehung erwarten. Zum ersten Prior von Martental wurde Gerhard Huismann von Namedy ernannt.
Über die Entwicklung der Propstei liegen keine Urkunden vor. Die Zeit war für Kirchen und Klöster nicht günstig: der Dreißigjährige Krieg (1618-1648); der Spanische Erbfolgekrieg (1672-1678) unter Ludwig XIV, der Pfälzer Krieg (1688-1697) mit der Cochemer Schreckensnacht (1689) - Plünderung, Zerstörung, Armut und Not waren die Folgen. Die Propstei ist davon sicher nicht verschont geblieben.

Vielfach wird die Behauptung zitiert und immer wieder neu übernommen, der Frauenkonvent hätte sich der Reformation angeschlossen und sei deshalb geschlossen worden. Gleichzeitig wird die Zerstörung durch ein Feuer als Grund angeführt. Es handelt sich dabei allerdings um eine Verwechslung mit Geschehnissen, die auf das Mutterkloster Springiersbach zutreffen, jedoch nicht für Martental!
Der Grund für den Untergang des Augustinnerinnen Klosters Martental liegt nachweislich, wie oben erwähnt, im Nachwuchsmangel!


Jakobusglocke

1647
wird von dem Lütticher Rochus Grongnard eine Glocke gegossen, die lange Zeit in der Martentaler Kapelle geläutet wurde. Sie ziert folgende Inschrift: SANCTE JACOBE ORA PRO NOBIS. ROCHUS GRONGNART ME FECIT ANNO 1647. Mit der Säkularisierung kam die Glocke als Schul- und Gemeindeglocke nach Müllenbach. Dank der eifrigen Verhandlungen von Bruder Alois Schaaf kehrte sie 1983 wieder nach Martental zurück und läutet seitdem täglich im Dachreiter der Wallfahrtskirche um 11.00 Uhr zum Gedenken an die Passion Christi und um 15.00 Uhr zur Sterbestunde des Herrn.
Das Kirchlein, in dessen Turm die Glocke einstmals geläutet hat, war dem Hl. Märtyrer Achatius geweiht, der zu den 14 Nothelfern gezählt wird. Um 1680 gilt dieses Gotteshaus als "halb verfallen". 1681 wird unter der Leitung Springiersbachs ein Klosterneubau mit Kirche errichtet. Da keine klösterliche Gemeinschaft mehr vor Ort bestand, wird mit dem Klosterneubau wohl eine Eremitage an der Kirche oder das Wohnhaus des Hofes gemeint sein.
Vor 1680 wird beim Wasserfall "Rausch" am Zusammenfluss von Endert und Sesterbach eine zweigängige Mühle zur Mehl- und Ölproduktion erbaut. Als Erbauer und Müller wird der "Schmuldges Bert" aus Landkern erwähnt. 1852 wurde die "Rauschmühle" aufgegeben.
Seit etwa 1720 waren bis 1808 Einsiedler in Martental, die die Wallfahrtskirche betreuten und in der daran angebauten Einsiedelei wohnten. Pfr. Albert Nicola in Masburg zählte folgende Namen auf, die in den Kirchenbüchern verzeichnet sind:
- Br. Sigismund Weri + 24.02.1736 bestattet in der Martentaler Kirche
- Br. Josephus Hein + 16.12.1776 "Eremit in der Klause Martental"
- Br. Heinrich Heimbach + 16.09.1789 bestattet in der Martentaler Kirche
- Br. Justus Meyer + 19.11.1795 bestattet in der Martentaler Kirche (Br. Justus starb in Folge einer Schussverletzung durch französische Soldaten, die ihn durchs Fenster in der Einsiedelei traf)
- Br. Honuphrius (Omphrius) Ritter + 04.03.1808 bestattet in Masburg
(ein Br. Achatius Queng + 14.01.1759 wird im Totenbuch der Pfarrei Kehrig als Eremit von Martental genannt / Br. Nikolaus aus Eppenberg wird von Hay als letzter Eremit von Martental bezeichnet, dieser schein aber mit Br. Honuphrius identisch zu sein)


Besondere Feiertage waren als Hauptfest der Gedenktag des Hl. Achatius und der 10 000 Märtyrer am 22. Juni, die Hl. Vierzehn Nothelfer, der Hl. Apollinaris und der Hl. Augustinus als Ordenspatron der ehemaligen Klosterleute.
Am Freitag nach dem 22. Februar (Petri Stuhlfeier) und am Freitag der 3. Woche der Fastenzeit hatte der Pastor von Alflen in Martental gestiftete Seelenmessen zu feiern. An den Bitt-Tagen um Christi Himmelfahrt zog die Gemeinde Alflen freitags nach einer Messe in der Pfarrkirche in Prozession zur Kapelle nach Martental ebenso zog die Gemeinde am 22. Juni zum Fest des Heiligen Agatius/Achatius ins Tal der Heiligen Märtyrer. (nach Angaben eines Pfarrbuches von 1727)
1737
wurde die Kirche erneuert oder neu erbaut. Im Portalbogen war die Zahl 1737 eingemeißelt ebenso auf einem Weihwasserbecken. In der Fastenzeit war jeden Freitag ein festlicher Gottesdienst. Die hl. Messe feierte der Pastor von Masburg, es predigte ein Kapuziner aus Cochem. Alljährlich zog eine Sakramentsprozession am Ostermontag von Masburg nach Martental. Die Leute von Müllenbach und Leienkaul und andere Pilger waren dabei. Aus dieser Zeit stammt auch das Wappen des letzten Springiersbacher Abtes Karl Kaspar von Holtrop (1758-1789) über dem Doppeleingang des alten Martentaler Hofes, dem späteren Jugendhof.
1794
Am Ostermontag fand die letzte Sakramentsprozession der Pfarrei Masburg statt.

1801
Durch den Vertrag von Lunéville wird das linke Rheinufer Frankreich zugeteilt. Alle Stifte und Klöster werden französisches Staatseigentum. Martental wird der Domänenverwaltung in Cochem unterstellt. Die Wallfahrtskirche wird geschlossen und das Inventar (das Gnadenbild ausgenommen) in die Pfarrkirche Masburg übertragen.
Bei der ersten Versteigerung findet sich kein Käufer.
Am 28. Mai 1812 wird der Klosterbesitz für 11125 Franc versteigert. Da der Käufer aber keine Anzahlung machen konnte, blieb der Besitz bei der Domänenverwaltung und wurde dann der französischen Ehrenlegion übergeben.
1813
Nach dem Rückzug der französischen Truppen wird der Klosterbesitz Eigentum des preußischen Fiskus. Am 8.11.1819 erwirbt Herr Schunk aus Klotten den Klosterhof mit allen Besitzungen, die er verpachtet. 1840 wird Familie Ring vom Klottener Berg Pächter des Martentaler Hofes und nach dem Krieg 1870/71 auch Eigentümer. Die zerfallende Klosterkirche mit dem zugehörigen Gelände erwirbt der "Rauschmüller". Die preußische Forstverwaltung hat die Ruine und die dazu gehörenden Parzellen 1856 von den Kindern des Müllers zurückgekauft.


Maria Martental
1904
Der Redemptoristen Pater Joseph Tillmanns kauft mit seinen beiden Schwestern einen Teil des Klosterbesitzes von der Familie Ring. Diese baut sich den "neuen Martentaler Hof" an der Straße zur Schönen Aussicht. P. Tillmanns gründet eine neue klösterliche Gemeinschaft, die er "Gesellschaft der göttlichen Liebe" nennt. Die ersten Laienbrüder sind 1904/05 eingetreten.
1908
Die Klostergemeinschaft baut ein neues Haus, in dem an Lichtmess 1909 in der Hauskapelle die erste hl. Messe gefeiert werden kann. Das Gnadenbild der Schmerzensmutter findet in der neuen Klosterkapelle seinen Platz für 20 Jahre.
Auf Pater Tillmanns geht die Erweiterung des Ortsnamens um den Namen der Gottesmutter zu "Maria Martental" zurück. Er warb bereits in seinen Schriften für den Wiederaufbau der Wallfahrtskirche.

Gottfried Thelen schreibt in seinem Beitrag "Die alte Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg bei Oberfell" im Heimat-Jahrbuch des Landkreises Mayen-Koblenz 1990, dass Pater Tillmanns schon von Trier aus Ländereien erworben hatte, um auch den Bleidenberg mit der Ruine einer alten Wallfahrtskirche wieder nutzbar zu machen. Dazu erhielt er aber noch keine Genehmigung. 1916 versuchte dann Pfr. Klöckner den Bleidenberg zu beleben und Pater Tillmanns bemühte sich aufs Neue seine Pläne zu realisieren, die aber durch seinen frühen Tod nicht ausgeführt wurden.
1918
P. Tillmanns stirbt am 3. Mai 1918 im Alter von nur 50 Jahren. Seine Gründung war noch nicht gefestigt. So gab es bald Schwierigkeiten und Missstände. Der Bischof von Trier, Franz Rudolf Bornewasser (1922-51) forderte die Auflösung bzw. die Eingliederung in eine andere Ordensgemeinschaft.
1919
Pfarrer Ebenau aus Masburg erhält den bischöflichen Auftrag, den neu angelegten Klosterfriedhof am Waldrand einzusegnen, wo Pater Tillmanns bereits bestattet wurde.

1927
Mit Zustimmung des Bischofs übernehmen die Herz-Jesu-Priester am 6. Juli 1927 den Klosterbesitz und die Sorge für die Gemeinschaft der Brüder.
Im Herbst wird das Kloster zum Noviziat für die Brüderkandidaten der deutschen Provinz der Herz-Jesu-Priester, während das Noviziat für die Kleriker in Fünfbrunnen/Luxemburg bleibt.
1932
Nach längeren Verhandlungen mit der Preußischen Staatsforstverwaltung (seit 1929) geht das Gelände im Tal mit der Ruine und dem Gnadenbild im Austausch von Grundstücken "Auf der Klosterheide" durch Vertrag vom 14. Oktober 1932 in den Besitz des Klosters über.


1934
Auf Anregung der Pfarrer der Region und der Patres sowie durch die Gutheißung des Bischofs wurde der Wiederaufbau der Wallfahrtskirche beschlossen. Bereits in der Fastenzeit wurden Gottesdienste in der Kirchenruine gefeiert. Am ersten Sonntag im Mai fand eine große Wallfahrt der Dekanate Kaisersesch und Lutzerath zur alten Ruine statt. Mit großer Freude und Begeisterung hat die Bevölkerung die Nachricht vom Wiederaufbau der Wallfahrtskirche aufgenommen. Unter tatkräftiger Hilfe wird die Ruine niedergelegt und auf ihren Grundmauern eine neue Wallfahrtskirche gebaut. Seit dem 23. März 1934 wird der Schmerzensfreitag als besonderer Wallfahrtstag begangen. Die Männer der Region haben Arbeits- und Spanndienste geleistet. Am 22. Juli 1934 war Grundsteinlegung, und am 16. September 1934 das Richtfest.
Die Glasfenster, größtenteils Stiftungen der umliegenden Pfarreien, stammen von der Glasmalerei Fries in Trier.
Die Entwürfe für die Ausmalung und die Mosaike am Herz-Jesu- und Josefsaltar stammen von

Br. Notker in Maria Laach.
Die Figuren für den Hochaltar (Simeon, Anna, Magdalena, Johannes, Achatius, Kastor) stammen von Paul Rauzenberg in Köln, der auch das Gnadenbild überarbeitet hat. Die Figuren wurden 1962 mit einem neuen Kreuz aus der Laacher Kunstschule über dem Altar der Außenkirche angebracht.

1935
Am 4. August erfolgte die Weihe zwei neuer Glocken und am 15. September, dem Fest der Schmerzensmutter, die feierliche Benediktion der Wallfahrtskirche durch Weihbischof Albert Fuchs
mit 20 000 Wallfahrern.
1936
Der Höhepunkt aller Feierlichkeiten vor dem 2. Weltkrieg war die Wallfahrt mit Bischof Bornewasser am 3. Mai 1936 mit 30 000 Pilgern. Solche Zahlen und Bewegungen waren den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Nach ihrer Ideologie musste der Wallfahrtsort vernichtet werden.
1941
Durch Urkunde, datiert am 19.03.1941 und rechtskräftig am 23.03.1941 hat Bischof Franz Rudolf Bornewasser, die Wallfahrtskirche vorsorglich zur Vikariekirche erhoben.
So war sie dem Zugriff des NS-Staates entzogen. Am 17.04.1941 wird das Kloster aber durch die Geheime Staatspolizei aufgehoben und beschlagnahmt, später offiziell enteignet. 10 Patres und 22 Brüder wurden ausgewiesen. Kloster und Landwirtschaft wurden in einen "Landdienstlehrhof der HJ" umgewandelt. Nur ein Mitbruder der Herz-Jesu-Priester konnte über die Jahre der NS-Herrschaft hinweg bei der Wallfahrtskirche wohnen und eingeschränkt Gottesdienste halten. Öffentliche Prozessionen und Wallfahrten wurden verboten. Der Weg über den "Landdienstlehrhof" zum Tal durfte nicht benutz werden, doch die Menschen fanden ihre Wege über die steilen Abhänge und durch den Wald zum Heiligtum.
Im Juli des gleichen Jahres wurde eine moderne Orgel der Firma Klais mit zwei Manualen, Pedal, elektrischer Traktur und Gebläse eingebaut. Um das zentrale Rundfenster der Westwand nicht zu verdecken, wurde die Orgel als zweiteiliges Werk aufgebaut. Sie hat 14 klingende Register und verschiedene Spielhilfen. Zur Orgelweihe durch Dechant Sauer am 3. August 1941 ließ der musikalische Pfr. Schmitz aus Alflen konzertante Stücke von Bach, Brosig, Erlemann u.a. erklingen.
Polnische Kriegsgefangene, die auf dem Landdienstlehrhof und in der Nachbarschaft arbeiteten erbauen die Lourdes Kapelle, um dort gemeinsam zu beten.
Auf die Bitte des Hausoberen empfiehlt Bischof Bornewasser den 3. Monatssonntag als besonderen Bitt-Tag, der seither als Anliegensonntag gehalten wird. Dieser Tag war bereits Gebetstag der 1936 genehmigten "Bruderschaft von den sieben Schmerzen am Heiligtum zu Maria Martental".
1945
am 21. Januar legt die Pfarrei Nachtsheim ein Gelöbnis zur jährlichen Wallfahrt nach Maria Martental ab. Nach Ende des 2. Weltkrieges wird der Klosterbesitz den Herz-Jesu-Priestern zurückgegeben. Der Betrieb im Kloster und die Wallfahrten leben wieder auf.
1947 war das Kloster bereits wieder mit 10 Patres und 9 Brüdern besiedelt. Maria Martental wird im gleichen Jahr Noviziatshaus sowohl für Brüder als auch für Kleriker. Seit dem 4. Dezember 1945 wirken Franziskanerinnen (Kloster Helgoland bei Mayen) im Haushalt.
1951/53 Erweiterungsbauten des Klosters - Portalbau und Querflügel mit Küche, Speisesaal und großer Kapelle, die am Weihnachtsfest 1953 geweiht wird.
Landwirtschaft und Klosterhof
1950 begann auch die Intensivierung der Viehzucht in den Nachbarklöstern Ebernach und Engelport. Es kam zu einem Zusammenschluss, zu gegenseitiger Beratung und zu gemeinsamem Einkauf von Zuchttieren, die man gegenseitig austauschte. Die Bauern schlossen sich immer mehr an.
Die für die damaligen Verhältnisse modernen neuen Stallungen wurden in den Jahren 1932/33 gebaut, eine große Scheune mit Rinderstall im Jahre 1948.
Die Umstellung auf Traktoren begann 1940. 1961 konnte das letzte Pferd abgeschafft werden.
Der Betrieb wurde am 15. Oktober 1952 als Lehrhof anerkannt. Rund 20 Schüler absolvierten hier ihre Ausbildung. Bruder Eligius wurde 1953 der erste Landwirtschaftsmeister des Kreises Cochem.
Der Leiter der Landwirtschaft war von Anfang an Mitglied der "Landwirtschaftsschule und Beratungsstelle Kaisersesch", auch Mitglied und Vorsitzender des Saatgutverbandes und fast 10 Jahre hindurch Berichterstatter für das statistische Landesamt. Sein Nachfolger Bruder Clemens war Mitglied der Kommission für landwirtschaftliche Gehilfen- und Meisterprüfung. Weil die älter gewordenen Brüder die Arbeit nicht mehr tun konnten, Nachwuchs nicht in Aussicht stand und der Hof bezahlte Arbeitskräfte nicht tragen konnte, musste die Landwirtschaft weithin aufgegeben werden.
Ab dem 1. November 1974 wurden die Ländereien und Wiesen verpachtet. Der stattliche Viehbestand von 20 Milchkühen mit dem dazugehörenden Jungvieh wurde verkauft. Es blieben noch der Hühnerstall und der Bienenstand.


1960
anlässlich des 25jährigen Bestehens der Pfarrvikarie konsekriert Bischof Dr. Matthias Wehr die Wallfahrtskirche als Pfarrkirche. 
1968/71
Bau einer offenen Halle mit Altar und Kirchenbänken für die großen Wallfahrten.
Bau des Pilgerheimes mit Gaststätte und Räumen für Erwachsenenbildung, Einkehrtage, Glaubensseminare, Schulendtage sowie einen Laden für den Verkauf von Devotionalien.
1972/73
Der vordere Teil der alten Kirche (Chorraum, Seitenkapellen und Außenaltar) wird abgerissen, der rückwärtige Teil des Schiffes bleibt bestehen, daran wird eine großräumige moderne Kirche angebaut. Das Gnadenbild findet seinen neuen Ort in einem künstlerisch gestalteten Rosenkranz aus Bronze über dem Altar.
Am 31. März 1974 fand die Konsekration des neuen Altares und der neuen Kirche durch Weihbischof Alfred Kleinermeilert statt. Kirche und Altar wurden zu Ehren der scherzhaften Mutter Maria, der Königin der Märtyrer geweiht. In das Reliquiengrab wurden die aus dem früheren Altar übernommenen Reliquien des Hl. Märtyrer Papstes Xystus und der unzähliger Trierer Märtyrer eingeschlossen, sowie die neue Konsekrationsurkunde und die alte Urkunde von 1960.
Während der Bauzeit diente ein großes Zelt auf dem Parkplatz für die Gottesdienste.

1981
überreichte Regierungspräsident Korbach das Bundesverdienstkreuz am Bande an Bruder Eligius Bohne, der über 40 Jahre das Klostergut leitete, und würdigte den 80jährigen Ordensmann für seine wegbereitenden Arbeiten auf dem Gebiet der Tierzucht und das vorbildliche Vorausschreiten in der Landwirtschaft.
1984
Umbau der Ökonomiegebäude zum Jugendgästehaus "Jugendhof Maria Martental" mit 40 Betten.
1999
Umfangreiche Sanierung des Klostergebäudes.
2006
Im Laufe der Jahre zeigten sich Schäden an der Wallfahrtskirche: Risse in den Wänden, undichte Stellen am Dach. Sanierungen wurden notwendig. Mit dem Plan der Sanierung stellte sich wieder die Frage nach der Neugestaltung des Kirchenraumes.
- Orgel und Orgelbühne wurden an den Haupteingang verlegt
- Das Gnadenbild aus dem Chorbogen entfernt, bekam seinen eigenen Ort in der alten Kirche
- Bearbeitung des Kreuzweges und Freilegung der übermalten Bilder
Das diözesane Bauamt in Trier hat die Sanierung und Renovierung der Kirche mitgeplant und finanzielle Beihilfe gewährt. Die allgemeine Anerkennung und die Spenden der Kirchbesucher zeigen, dass die Renovierung gut angenommen wird.
2011
Schließung des Jugendhauses und Umbau zur Tagesförderstätte für Menschen mit Behinderungen der St. Hildegardis GmbH / St.Martin Düngenheim.
2014
Die Vierzehn Kreuzwegstationen, die sich seit den 30er Jahren in der Nähe der Wallfahrtskirche befinden, wurden alle renoviert, farbig gefasst und mit neuen Holzrahmen wieder aufgestellt.
Viele Einzelspender und der Freundeskreis der Wallfahrtskirche und des Wallfahrtsortes haben die Renovierung ermöglicht und in die Tat umgesetzt.

Zusammenstellung der Daten: P. A. Huppertz
Überarbeitung & Ergänzung P. M. Kaufmann (2016)