Zeittafel zur Geschichte des Klosters

Gebetsort in der Kirchenruine

Gebetsstätte in der Ruine der alten Wallfahrtskirche

Die folgende Zeittafel einen kleinen Überblick über die bewegte Geschichte eines ehrwürdigen Ortes geben. P. Aloys Huppertz SCJ hat die geschichtlichen Daten zusammen gestellt.

 

In der ältesten Urkunde aus dem Jahre 1141 lesen wir:

Der Erzb. Arnold von Köln schenkt den "Brüdern von Mardyrdal, einen Ort, der der Kirche in Springiersbach unterstellt ist", einen Lohberg und einen Weinberg bei Sele (Sehl bei Cochem). Hier erfahren wir:

1. Es gibt ein Kloster in Martental. Urkundlich ist belegt, dass Abt Richard I. (1105-1157) das Kloster der Augustiner-Chorherren in Springiersbach gegründet hat (11.01.1107). Neben anderen Klöstern hat er auch das Augustiner- Eremitenkloster in Martental gegründet. Das Gründungsjahr ist nicht bekannt.

2. Wir erfahren: das Kloster liegt im "Mardyrdal". Warum ein Kloster in der größten Einsamkeit? Hier ist sicher "das Tal der Märtyrer" ausschlaggebend gewesen. Die Legende von der Römerstraße durchs tiefe Endertal und ein
römisches Truppenlager am Sesterbach ist ziemlich unglaubwürdig.
Die Römer haben ihre Straßen und Lager immer auf Sicherheit gebaut. Die Römerstraße ging von Büchel über Leienkaul und Kaisersesch weiter nach Andernach. Für ein Truppenlager war im Tal kein Platz; im Notfall hätte es nicht verteidigt werden können. Doch was ist mit dem "Tal der Märtyrer"? Wo Soldaten sind, gibt es auch immer Straffällige. Könnte nicht hier im Tal ein solches Straflager gewesen sein? Aber Straffällige werden nicht einfach
umgebracht. Was kann hier geschehen sein? Kaiser Diokletian (285-305), war erst christenfreundlich, später ihr
schlimmster Feind. Seine Edikte:

1. Edikt (303) : Zerstörung der Kulträume und der heiligen Schriften.
2. Edikt (303) : Gefangensetzung des Klerus.
3. Edikt (303) : Opfergebot für den Klerus; bei der
Verweigerung Anwendung von Zwangsmaßnahmen bis
Todesstrafe.
4. Edikt (304) : Opferbefehl für alle Christen.

Betroffen von diesen Maßnahmen waren neben dem Klerus Beamte und Offiziere. Die Geschichte der Thebäischen Legion bezeugt das. Im Raum Trier und im Moseltal gab es viele römische Siedlungen mit entsprechender Verwaltung; ebenso gab es im Heer viele Christen. Es ist bekannt, dass viele Beamte und Offiziere das Weihrauchopfer vor der Statue des Kaisers nicht dargebracht haben. Ist es nicht möglich, dass solche Christen im Gefangenlager am Sesterbach hingerichtet worden sind?


Weitere Beweise für die Existenz eines Klosters Martental:

  • 1144
    Kaiser Konrad III. (1138-1152) bestätigt der Abtei Springiersbach ihre Besitzungen; es wird auch das Kloster "in valle martyrum" genannt.

  • 1145
    In einer Bulle bestätigt Papst Eugen III. (1145-1153) neben anderen Klöstern den Besitz in Martental: ".... ecclesiam qua sita est in valle martirum cum posessionibus et omnibus pertinentiis suis" (die Kirche, die im Tal der Märtyrer liegt, mit den Gütern und allen Gefällen). Die Augustiner-Eremiten scheinen nicht lange im Tal der Märtyrer geblieben zu sein. Gründe dafür werden nirgendwo angeben. Anfang 1200 sind Augustinerinnen in Martental eingezogen.

  • 1211
    Erzbischof Johann von Trier (1189-1212) hat in seinem Testament bestimmt: "ut lumen ante majus altare die noctuque incessanter ardeat..." (damit Tag und Nacht ununterbrochen Licht brenne), dass 12 Kirchen und Klöster 10 libras, und 28 Kirchen und Klöster 5 libras erhalten. (1 libra = 1 Pfund Silber). Alle werden namentlich aufgezählt, unter den letzten auch "Mardildal".

  • 1212
    Derselbe Erzbischof von Trier schenkt dem Stift Carden die Pfarrei Masburg mit allen Rechten; u.a. erhielt der Vikar "1/3 des Zehnten vom Hof der Nonnen in Martildal".

  • 1283
    Dagmar von Hochheim "vermacht den Nonnen von Martildal ungenannte Geldlegate". Papst Bonifatius VIII (1294-1303) überträgt den Schutz der Nonnen des Ordens des hl. Augustinus dem Dechanten in Carden.

  • 1336
    Die Brüder "Mathys u. Hch. von Clotten verpachten einen Hof an den Convent in Martildal".

  • 1383
    "Heinrich von dem Vorste bei Ulmen schenkt dem Kloster Martildal 7 Malter Korngülte".

  • 1385
    Es existiert ein Verzeichnis der Weingärten des Klosters Martedal bei Clotten.

  • 1480
    Es wird ein Erbschaftsbrief zwischen dem "Kloster Martedahl und einem Jeckel Wolf abgeschlossen.

  • 15. Jh
    Das Gnadenbild der Schmerzenmutter (Pietà) ist als Holzschnitzarbeit von einem unbekannten Künstler Ende des 15.Jh. geschaffen worden. Auch nach der Auflösung des Klosters blieb es in den Ruinen. Beschädigt durch Kerzenbrand ließ P. Tillmanns die Pietà um 1909 von dem Fachmann Peter Tillmanns in Erkelenz restaurieren. Dann kam sie in die Kapelle des neuerbauten Klosters. Bevor sie 1935 in die neue Wallfahrtskirche kam, wurde sie nochmals von dem Bildhauer Paul
    Rautzenberg in Köln überarbeitet.

  • 1513
    Der Name "Thye von Wederbach", Meisterin in Martendahl wird genannt.

  • 1520
    Wegen Verarmung, Mangel an Nachwuchs (nur mehr zwei Nonnen) und Unsicherheit hat der Abt von Springiersbach, Johann Print von Horchheim (1493-1530), die Auflösung des Nonnenklosters in Rom beantragt. Papst Leo X. (1513-1521) löste am 14.04.1520 das Kloster auf. Infolge seines Todes wurde das Dekret nicht veröffentlicht, auch nicht unter seinem Nachfolger, der nur 20 Monate Papst war.

  • 1523
    Erst Papst Clemens VII. (1523-1534) löste durch Dekret vom 12.11.1523 das Kloster in Martental auf. Sowohl der Erzbischof von Trier, Johann IV. (1540-1547) als auch der Abt von Springiersbach Peter v. Kesselstadt (1438-1462) beanspruchten den Besitz des Nonnenklosters. Der Streit musste in Rom geschlichtet werden.

  • 1541
    Papst Paul III. (1534-1549) hat dem Stift Springiersbach den Klosterbesitz zugesprochen, allerdings mit Bedingungen: Martental wird Propstei; es sind wöchentlich zwei oder drei hl. Messen zu feiern zum Trost der armen Seelen, deren sterbliche Überreste die Auferstehung erwarten. Durch Schreiben vom 5. und 28. April 1541 gab der Erzbischof von Trier sein Einverständnis. Zum ersten Prior wurde Gerhard Huismann von Namedy ernannt.

  • 17 Jhrh.
    Über die Entwicklung der Propstei liegen keine Urkunden vor. Die Geschichte dieser Zeit war für Kirchen und Klöster nicht günstig: Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648); unter Ludwig XIV: der Spanische Erbfolgekrieg (1672-1678), der Pfälzer Krieg (1688-1697) mit der Cochemer Schreckensnacht (1689). Folge: Plünderung, Zerstörung, Armut und Not. Die Propstei ist sicher nicht verschont geblieben.

  • 18 Jhrh.
    Anfang des 18. Jahrhunderts, etwa von 1720 bis 1808 sind Einsiedler in Martental gewesen. Sie sind namentlich bekannt:
    - Br. Sigesmund Weri, gest. 24.02.1736
    - Br. Achatius Queng, gest. 14.01.1759
    - Br. Heinrich Heimbach, gest. 16.09.1789
    - Br. Justus Mayer, gest. 19.11.1795
    - Br. Onophius Ritter, gest. 04.03.1808
    Von allen liegen Sterbeurkunden mit Angabe der Grabstätte vor. Ob die alte Klosterkapelle zerstört wurde, kann nicht sicher festgestellt werden. Der erste Einsiedler wurde in der Kapelle begraben, also muss sie 1736 noch da gewesen sein. Ohne Kirche und Gnadenbild wären sicher keine Einsiedler dort geblieben.

  • 1737
    Neubau einer Kirche. Über der Eingangstür stand die Zahl 1737. Die Einsiedler haben diese Wallfahrtskirche betreut. In der Fastenzeit war jeden Freitag ein festlicher Gottesdienst. Die hl. Messe feierte der Pastor von Masburg, es predigte ein Kapuziner aus Cochem. Alljährlich zog eine Sakramentsprozession am Ostermontag von Masburg nach Martental. Die Leute von Müllenbach und Leienkaul und andere Pilger waren auch dort.

  • 1794
    Am Ostermontag war die letzte Prozession der Pfarrei Masburg.

  • 1801
    Durch den Vertrag von Lunéville (1801) wird das linke Rheinufer Frankreich zugeteilt. Alle Stifte und Klöster werden franz.
    Staatseigentum. Martental wird der franz. Domänenverwaltung in Cochem unterstellt.

  • 1812
    Bei der ersten Versteigerung findet sich kein Käufer. Jahre später am 28. Mai 1812 wird der Klosterbesitz für 11125 Frs (=2966 Rt.) ersteigert. Da der Käufer keine Anzahlung machen konnte, blieb der Besitz bei der Domänenverwaltung, bis er der französischen Ehrenlegion übergeben wird.

  • 1813
    Nach dem Rückzug der französischen Truppen wird der Klosterbesitz Eigentum des preußischen Fiskus.

  • 1819
    Am 8.11.1819 erwirbt Herr Schunk aus Clotten den Klosterhof mit allen Besitzungen, die er verpachtet. 1840 wird Familie Ring vom Clottener Berg Pächter des Martentaler Hofes und nach dem Krieg 1870/71 auch Eigentümer. Die Klosterkirche mit dem zugehörigen Gelände erwirbt der "Rauschenmüller".

  • 1856
    Die preußische Forstverwaltung hat die Ruine und die dazu gehörenden Parzellen von den Kindern des Müllers zurückgekauft

  • 1904
    P. Joseph Tillmanns mit seinen zwei Schwestern kauft einen Teil des Klosterbesitzes von Familie Ring. Diese baut den neuen Martentaler Hof an der Straße nach "Schöne Aussicht". P. Tillmanns gründet eine neue klösterliche Gemeinschaft:
    "Gesellschaft der göttlichen Liebe". Die ersten Laienbrüder sind 1904/05 eingetreten.

  • 1908
    Die Klostergemeinschaft baut ein neues Haus; Lichtmess 1909 wird in der Hauskapelle die erste hl. Messe gefeiert. Das Gnadenbild der Schmerzensmutter findet nach der Restaurierung (1910) in der neuen Klosterkapelle seinen Platz.

  • 1918
    P. Tillmanns stirbt am 3. Mai 1918, viel zu früh. Seine Gründung war noch nicht gefestigt. So gab es bald Schwierigkeiten und Missstände. Der Bischof von Trier, Franz Rudolf Bornewasser (1922-51) fordert die Auflösung bzw. die Eingliederung in eine andere Ordensgemeinschaft.

  • 1927
    Mit Zustimmung des Bischofs von Trier übernehmen die Herz-Jesu-Priester am 6. Juli 1927 den Klosterbesitz und die Sorge für die Gemeinschaft der Brüder.

  • 1932
    Nach längeren Verhandlungen mit der Preußischen Staatsforstverwaltung (seit 1929) geht das Gelände im Tal mit der Ruine
    und dem Gnadenbild im Austausch von Grundstücken "Auf der Klosterheide" durch Vertrag vom 14. Oktober 1932 in den Besitz des Klosters über.

  • 1933
    Jetzt steht dem Wiederaufbau der Wallfahrtskirche nichts mehr im Weg. Mit Hilfe und Spenden der Bevölkerung wird auf den Grundmauern der alten Kapelle die neue Wallfahrtskirche gebaut.

  • 1934
    Am 6. Mai war die letzte Wallfahrt der Dekanate Kaisersesch und Lutzerath vor der alten Ruine mit dem Gnadenbild. Mit großer Freude und Begeisterung hat die Bevölkerung die Nachricht von dem Wiederaufbau der Wallfahrtskirche aufgenommen. Die Leute haben nicht nur gespendet. Die Männer haben Arbeits- und Spanndienste geleistet. Gleich nach der Dekanatswallfahrt (6. Mai 1934) wurde die Ruine abgerissen, am 22. Juli 1934 war Grundsteinlegung, und schon am 16. September 1934 Richtfest.

 


 

  • 1935
    Am 4. August Glockenweihe. Am 15. September Benediktion der Wallfahrtskirche durch Weihbischof Albert Fuchs. (20000 Wallfahrer) Am 4. August war Glockenweihe. Am 15. September, am Fest der Schmerzensmutter, war die Benediktion (Segnung) der neuen Wallfahrtskirche durch Weihbischof Albert Fuchs. (20-25000 Teilnehmer).

 


 

  • 1936
    Der Höhepunkt aller Feierlichkeiten vor dem 2. Weltkrieg war am 3. Mai die Diözesanwallfahrt mit dem Bischof Franz Rudolf Bornewasser, der wegen Krankheit zur Kirchweihe nicht kommen konnte (25-30000 Pilger). Solche Zahlen waren für die Nazis ein Dorn im Auge. Nach ihrer Ideologie musste der Wallfahrtsort vernichtet werden.

 


 

  • 1941
    Durch Urkunde, ausgestellt am 19.03.1941, rechtskräftig am 23.03.1941 hat Bischof Franz Rudolf Bornewasser, vorsorglich die Wallfahrtskirche zur Vikariekirche erhoben. So war sie dem Zugriff des NS-Staates entzogen. Ein Mitbruder der Herz-Jesu-Priester hat in den Kriegsjahren die Vikarie betreut. Am 17.04.1941 wird das Kloster durch die Geheime Staatspolizei
    aufgehoben und beschlagnahmt, später offiziell enteignet. 10 Patres und 22 Brüder wurden landesverwiesen. Ein  "Landdienstlehrhof der HJ" wurde eingerichtet.

 


 

  • 1945
    Nach Ende des 2. Weltkrieges wird nach langen Verhandlungen der Klosterbesitz den Herz-Jesu-Priestern zurückgegeben. Nicht nur der Betrieb im Kloster, sondern auch die Wallfahrten leben wieder auf.

 


 

  • 1957/59
    Erweiterung des Klosters

 


 

  • 1968/71
    Bau einer offenen Halle mit Altar und Kirchenbänken; das war notwendig geworden für die großen Wallfahrten. Bau des Pilgerheimes:
    Gaststätte für auswärtige Pilger, Räume für Erwachsenenbildung, Einkehrtage, Glaubensseminare, Schulendtage. Laden für den Verkauf von Devotionalien.

 


 

  • 1972/73
    Erweiterung der Wallfahrtskirche. Der vordere Teil der alten Kirche wird abgerissen, der rückwärtige Teil bleibt bestehen. Anbau einer neuen Kirche. Das Gnadenbild (Pietà) hängt über dem Altar. Die Konsekration der neuen Kirche erfolgte am 31. März 1974 durch Weihbischof Alfred Kleinermeilert. Während der Bauzeit diente ein großes Zelt als Kirche.

 


 

  • 1984
    Umbau der Ökonomiegebäude des Klosters in ein Jugendheim: 40 Personen können hier Unterkunft finden. 1985 wurde es eingeweiht.

 


 

  • 2006
    Im Laufe der Jahre zeigten sich Schäden am Kirchbau: Risse in den Wänden, undichte Stellen am Dach. Sanierung war notwendig. Mit dem Plan der Sanierung stellte sich die Frage der Neugestaltung des Kirchenraumes:
    - Orgel und Orgelbühne verlegt an den Haupteingang.
    - Das Gnadenbild nicht mehr über dem Altar, sondern ein eigener Platz in der alten Kirche.
    - Bearbeitung des Kreuzweges und Freilegung der übermalten Bilder. Alles das sollte geschehen, ohne die Kirche für den Gottesdienst zu schließen. Das ist gelungen.
    Das diözesane Bauamt in Trier hat die Sanierung und Renovierung der Kirche mitgeplant und finanzielle Beihilfe gewährt. Die allgemeine Annerkennung und die Spenden der Kirchbesucher zeigen, dass die Renovierung angenommen wird.