Kongo 1964

1960 war Belgisch-Kongo unabhängig geworden. 1961 wird Premierminister Lumumba getötet. Das Land wird von Rebellionen der Radikalen und Lumumbisten unter Führung von Pierre Mulele erschüttert. Nach Meinung der Anhänger Muleles würde ihre Revolte durch die Ausschaltung der Europäer, des Christentums und der Zentralregierung in Leopoldville zu einer wirklichen Unabhängigkeit des Kongo führen. Das Jahr 1964 ist die härteste Phase der Revolte, auch für die Dehonianer.

Im August 1964 wird die Stadt Wamba von Simbas besetzt und der Terror beginnt.
Bischof Wittebols, der das in Rom tagende II. Vatikanische Konzil "Hals über Kopf" verlassen hatte, um seinen Diözesanen in den Unruhen beizustehen, sowie andere Herz-Jesu-Priester werden barfuss zu Gewaltmärschen gezwungen, während derer sie allen möglichen Gewalttätigkeiten ausgesetzt sind. Bischof Wittebols stirbt in dieser Gefangenschaft, auch weil er - seiner Brille beraubt - immer wieder auf dem Marsch hinfällt und sich verletzt. Die Gefangenen werden im Innenhof eines Gefängnises von der Menge misshandelt und dann vor den Augen aller Anwesenden erschossen. Die Zuschauer werden daraufhin gezwungen, die leblosen Körper zu verstümmeln. 
Aus  unserer Kongregation werden 27 Mitbrüder im Rahmen des so genannten Simba-Aufstandes nach Gefangenschaft und Folter getötet: P. Henricus van der Vegt, P. Josephus Tegels, P. Franciscus ten Bosch, P. Joannes de Vries, P. Henricus Hams, P. Petrus v. d. Biggelaar, P. Joannes Slenter, P. Gerardus Nieuwkamp, Br. Damianus Brabers, Fr. Josephus Vanderbeek, Br. Aloisius Paps, P. Carolus Bellinckx, P. Leonardus Janssen, P. Cristianus Vandael, P. Clemens Burnotte, P. Jacobus Moreau, Br. Andreas Laureys, P. Hermanus Bisschop, P. Josephus Conrad, P. Joannes Trausch, P. Amor Aubert, P. Henricus Verberne, P. Arnoldus Schouenberg, Br. Arnolfus Schouenberg, P. Gulielmus Vranken, P. Hieronimus Vandemoere, Mgr. Joseph Wittebols, der Diener Gottes Bernardo Longo. siehe Bildtafel unten >>>

Der Diener Gottes P. Bernardo Longo SCJ wird am 3. November 1964 in Mambasa erschossen, nachdem er mehr als 25 Jahre als Missionar im Kongo gelebt hat. 
- 1993 wurde der Seligsprechungs-Prozess für P. Longo in der Diözese Padua/Italien eingeleitet -
Kurz vor seinem Tode steht in seinem Tagebuch - das erst zwei Jahre nach seinem Tod gefunden wird - zu lesen:  „Welch ein Glück, dass das Heiligste Herz Jesu mir in diesen Zeiten so viel inneren Frieden gewährt und meinem Herzen so viele schöne Stossgebete eingibt. Das gibt mir die Kraft um vorwärts zu schreiten. Vor Abendeinbruch mache ich einen kleinen Spaziergang bis zu den armen Missionsschwestern! Ich versichere ihnen, dass wir von der Mutter Gottes beschützt werden und dass wir uns vollkommen dem wunderbaren Willen des Herrn anvertrauen müssen - auch wenn er uns durch ein Gewehr in den Himmel bringen will!“ (Tagebuch P. Longo, 29.9.1964)

„Einige fragen sich manchmal, ob viele Missionare, die ihr Leben während der Revolution in Zaire gelassen haben, nur unfreiwillige Opfer einer sozialen und politischen Eskalation waren, oder ob sie tatsächlich Märtyrer jenes Glaubens waren, den zu verkündigen sie gekommen waren... Aus Liebe zum Evangelium hatten die Missionare ihre Heimat verlassen und waren nach Afrika gekommen; aus Liebe zu Christus sind sie inmitten der Revolutionswirren im Kongo geblieben, auch wenn viele von ihnen leicht die Möglichkeit zur Flucht hatten; als Missionare, als Jünger Christi und seiner Kirche sind sie verfolgt und getötet worden. Dies sind die Titel ihres Martyriums.“ (Tessarolo, Bernardo Longo - Missionario e martire della carità, S. 232)