Indonesien 1944/45

Der Tod von 11 holländischen Mitbrüdern im japanischen Internierungslager Muntok auf der Insel Banka/Indonesien in den Jahren 1944/45 ist Teil einer sehr komplexen Geschichte: die Verbrechen japanischer Truppen an Zivilisten eroberter Länder, der Niedergang der niederländischen Kolonialmacht, die aufstrebende indonesische Unabhängigkeitsbewegung, der Zweite Weltkrieg im Pazifik insgesamt und nicht zuletzt die persönliche Lebens- und Leidensgeschichte der betroffenen Mitbrüder bilden ein Netz ineinander verwobener Elemente, in dem es auch heute noch schwer fällt, das Zeugnis jener Mitbrüder angemessen zu würdigen.

Am 15. Februar 1942 besetzen japanische Truppen Palembang/Sumatra, das zu Niederländisch-Ostindien gehört. Während die niederländische Truppen und zahlreiche europäische Bürger vorher nach Java evakuiert werden, lehnen die auf Sumatra lebenden und arbeitenden Missionare und Ordensfrauen den Weggang ab und entscheiden sich dafür, bei ihren Gemeinden, Krankenhäusern und Schulen zu bleiben. Nach dem Einmarsch der Japaner kann die kirchliche Arbeit zunächst ungestört weitergeführt werden. Das ändert sich radikal, als am 1. April 1942 alle Europäer interniert werden, die Männer im Gefängnis Palembangs, Frauen und Kinder in einem eigenem Wohnhausblock. Später müssen die Gefangenen ihr eigenes Internierungslager bauen, je eines für Männer und eines für Frauen und Kinder. Bis zum September/November 1943 wird die Gefangenschaft in Palembang dauern, und es ist nur der erste und ungefährlichste Teil des Leidensweges.

Im Juli/August 1943 führen die Japaner brutale Razzien auf der Suche nach Kollaborateuren mit den Alliierten durch. Im Anschluss daran werden die in den Lagern Palembangs befindlichen Europäer, darunter zahlreiche Ordensfrauen und -männer in das Internierungslager bei Muntok auf der Insel Banka umgesiedelt: Eine äußerst unfruchtbare und klimatisch schwierige Gegend. Hungerrationen von täglich 100 bis höchstens 300 Gramm Reis gehören zur üblichen japanischen Lagerpraxis, um nach und nach die Gefangenen sterben zu lassen: die Unterernährung führt dazu, dass die üblichen Lageraktivitäten wie Unterricht und Gemeinschaftsveranstaltungen zum Erliegen kommen, oftmals sind die Insassen zu schwach, um den Verstorbenen noch ein letztes Geleit auf den Lagerfriedhof zu geben.

Im Lager Muntok sterben von anfänglich 942 Männern ca. 250 an Unterernährung bzw. den Folgekrankheiten, die Sterberate der Frauen ist ähnlich. 11 holländische Herz-Jesu-Priester überleben den Lageraufenthalt nicht:
  P. Heinrich Norbertus van Oort
  P. Petrus Matthias Cobben
  P. Franciscus Hofstad
  P. Isidorus Gabriel Mikkers
  P. Theodorus Thomas von Aquin Kappers
  P. Andreas Gebbing
  P. Petrus Nicasius van Eyk
  P. Franz Johannes Bosco van Iersel
  P. Wilhelm Franz Hoffmann
  Br. Gerard Matthäus Schulte
  Br. Wilfried Theodor van der Werf
Am 24. August verkündet der japanische Lagerkommandant den Waffenstilland von Manila und damit das Ende des Weltkrieges im Pazifik. Ein überlebender Herz-Jesu-Priester schreibt:

„Erst blieb es einige Augenblicke still. Dann brach ein donnerndes Hurra und ein Sturm von gegenseitigen Glückwünschen aus. In unserem Priesterblock sangen wir nach dem Rosenkranzgebet ein spontanes Te Deum. Welch herrliches Deo Gratias!“