Padre Mario berichtet aus Brasilien


22.02.2012

Aschermittwoch im Sommer
Im Portugiesischen gibt es eine andere Zählung der Wochentage. Nach guter christlicher Tradition wird der Sonntag (domingo) als erster Tag der Woche gerechnet, der Montag heißt darum ganz einfach „zweiter Tag“ (secunda-feira) und nach diesem Muster werden die anderen Tage benannt, nur der Samstag (sábato) weicht von der Regel ab.  Heute ist Aschermittwoch "quarta-feira das cinzas" / „vierter Tag von der Asche“.
Die Hochschule war an den Karnevalstagen Mo und Di geschlossen, heute ebenso, weil alle Patres irgendwo zur Aushilfe oder in ihren Pfarreien unterwegs sind und dann nicht gleichzeitig unterrichten können. Heute Abend werde ich irgendwo in einer kleinen Pfarrei meine erste Messe feiern und das Aschenkreuz austeilen. Die Texte habe ich schon geübt, nur die hier zu Land übliche tägliche Predigt werde ich noch nicht halten – nur ein paar persönliche Worte zur Vorstellung und Begrüßung am Anfang der Messe. In Europa bilden die Jahreszeiten und das Wetter oft eine unterstützende Rolle zur liturgischen Symbolik: der Übergang vom Winter zum Frühling, der Weg der Fastenzeit als Vorbereitung auf das Osterfest, das neue aufkeimende Leben der Natur und das neue Leben durch den auferweckten Herrn Jesus Christus. In Brasilien fallen Fasten- und Osterzeit in den Sommer. Für mich bleibt das noch etwas ungewöhnlich – mit Sonnenbrille zum Kreuzweg und täglich im T-Shirt zum Gottesdienst. Wie passend! Im Garten öffnet heute früh eine Passionsblume ihre prächtige Blüte und das nur für einen Tag.

WeltJugendtagsKreuz reist durch die Diözesen Brasiliens

Auf den Wunsch von Papst Johannes Paul II. wurde für das „Heilige Jahr der Erlösung“ 1983 ein schlichtes Holzkreuz auf dem Petersplatz aufgestellt, das er beim Osterfest des folgenden Jahres an die Jugendlichen der Welt übergeben hat. Es wurde von Jugendlichen zu einem Treffen nach Lourdes und ein Jahr später nach Prag gebracht und kam schließlich zum ersten Weltjugendtag 1986 wieder nach Rom. Seitdem reist das Kreuz durch die Welt. Beim 15. WJT im Heiligen Jahr 2000, gab der Papst noch eine Kopie der Marienikone in der Kirche Santa Maria Maggiore hinzu.

Beide Symbole der internationalen Jugendtreffen reisen jeweils im Vorbereitungsjahr durch das aktuelle Gastgeberland. Das 380 cm hohe und 175 cm breite Holzkreuz lädt auf seiner Reise als „Weg der Versöhnung“ junge Menschen aller Nationen ein, die Botschaft des Friedens und der Erlösung in Christus anzunehmen.
Ich staunte nicht schlecht, als ich auf einem der zahlreichen katholischen Fernsehkanäle eine Dokumentation über eine Feier mit dem WeltJugendtagsKreuz sah. Mit dabei alle populären katholischen Sängerinnen und Sänger und Musikgruppen Brasiliens und beim Interview natürlich auch unser Pater Zezinho. Ich frage mich nur, wenn schon jetzt so viele Menschen herbeiströmen, wie will man die dann alle in Rio unterbringen? Wer sich noch erinnert - im Vorbereitungsjahr auf den WJT in Köln 2004 war das WJT Kreuz auch in Maria Martental zu Gast.


12.02.2012


Diakonenweihe in Taubaté
Heute wurden 9 Mitbrüder, die gestern Abend erst die ewige Profess abgelegt haben, hier in der Pfarrkirche Herz-Jesu in Taubaté durch unseren Mitbruder Dom Eusebio Kardinal Scheidt zu Diakonen geweiht. Bei der Allerheiligen Litanei kamen mir wieder tränen in die Augen - bei der Erinnerung an meine eigene Weihe. Anschließend gab es ein großes Fest im Pfarrsaal neben der Kirche.

 

 

Eukalyptus, Kiefern, Bambus

Wenn man ganz unbedarft nach Brasilien kommt, erwartet man vielleicht hier und dort ein wenig Urwald zu sehen, dafür muss man allerdings gezielt das Amazonasgebiet besuchen. Bei einer längeren Fahrt durch die abwechslungsreiche Landschaft fallen immer wieder kleine Wälder und große Monokulturen auf (auch hinter unserem Kloster gibt es einen kleinen Wald mit kirchturmhohen Bambusstangen und Eukalyptusbäumen). Der schnellwüchsige Eukalyptus wird in großen Plantagen angebaut und für die Holzkohle- oder Zellstoffproduktion verwendet. Brasilien ist reich an Bodenschätzen insbesondere für die Erzverhüttung wird eine große Menge Holzkohle verbraucht. Unweit unseres Hauses rollen täglich mehrmals lange Züge mit erzhaltigem Erdreich aus dem Gebiet Minas Gereis vorbei. Der Holzsektor, so kann man vielfach lesen, ist heute eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes, dennoch ist die intensive Bodennutzung aus ökologischer Sicht nicht unbedenklich.




08.02.2012

 

Neun Tage feiern
Gestern waren wir anlässlich der Festwoche des Patroziniums der Pfarrei 'Nossa Senhora de Lourdes' in der Stadt São José dos Campos eingeladen. Die Gemeinde begeht das Patrozinium mit einer großangelegten Festwoche/Novene -  die übliche deutsche Kirmes kann da im Vergleich nicht mithalten! Wochentags versammeln sich täglich über 1000 Gläubige zu Veranstaltungen, Andachten, Festpredigten und Messen und alles ist bis ins kleinste vorbereitet und liebevoll gestaltet. Während des Rosenkranzgebetes wurde zu jedem 'Ave Maria' eine Laterne in die Kirche getragen und vor der Madonna abgestellt, bis die Figur zum guten Schluss in einem Lichtermeer stand. Es folgte ein froher Gottesdienst mit Festpredigt, Lichtfeier und Segen mit einer Reliquie der Hl. Bernadette Soubirous. Die Marianischen Gruppen / Bewegungen der Pfarreien präsentierten sich in bunten Gewändern und zollten mit Liedern und Tänzen ihrer Patronin tribut. Vielfacher Applaus und 'Vivat' Rufe für die Patronin erklangen im Kirchenschiff, das mit 1200 Gläubigen ganz eng gefüllt war. Zum guten Schluss musste ich auch noch ein paar Worte an die Gemeinde richten, das konnte ich dem Pfarrer nicht abschlagen. Gut das P.Cleber für's erste übersetzen konnte.


07.02.2012

Die Ferien sind zu Ende
Man sagt, gestern sei der heißeste Sommertag in Brasilien gewesen, mir kommt es so vor, als würde das heute noch einmal übertroffen. Kein einfacher Start für die Studenten und Schüler, denn mittlerweile sind die Sommerferien vorbei. Heute Morgen haben wir in der Faculdade Dehoniana (unsere phil.theol. Hochschule) das Akademische Jahr eröffnet. Am Anfang stand ein Gottesdienst mit allen Studenten und Professoren, Mitarbeitern und Dehonianern sowie Vertretern anderer Hochschulen der Stadt, den Kardinal Scherer aus Sao Paulo mit uns gefeiert hat. Anschließend hielt er auch den Eröffnungsvortrag in der Aula.
Für mich gab es neben vielen neuen Gesichtern ein Wiedersehen mit einigen Mitbrüdern. Pe. Marcial Macaneiro - ihn kenne ich aus seiner Studienzeit in Rom, Pe. Zezinho - er war mit seiner Musikgruppe schon in Martental und Handrup  und Pe. Frizo, der ein Jahr in Freiburg studiert hat. Morgenabend bin ich in den Conventinho eingeladen, um mich der Hausgemeinschaft schon einmal vozustellen, bevor ich dahin umziehe. Viele Braslianer sprechen über das kalte Europa und wünschen sich bei der Hitze ein bischen davon abzubekommen.

  


02.02.2012 Taubaté
 

Ankunft in Taubaté
Seit gestern Nachmittag bin ich nun in Taubaté und wohne für eine Woche im Pfarrhaus bei den Patres Knob, Kunz und Cleber Sanches. Wie schön! alle drei sprechen auch Deutsch, die beiden älteren haben deutsche Vorfahren und Cleber hat einige Jahre bei uns in Freiburg studiert. Taubaté ist eine Stadt im Bundesstaat Sao Paulo mit ungefähr 290.000 Einwohnern ca. 120 km von der Hauptstadt entfernt, von hier sind es nur ca. 40 km bis zum Wallfahrtsort Aparecida . Taubaté ist auch Bischofssitz der gleichnamigen Diözese. Der Bischof Dom Carmo Rhoden SCJ gehört auch zu den Herz-Jesu-Priestern, die in der Stadt gleich fünf Einrichtungen haben. Der „Conventiho“ als Kloster und Studienhaus für unsere Mitbrüder im Theologiestudium des 2. – 4. Jahres, die „Residencia Teológica“ für die Mitbrüder im 1. Studienjahr, die „Faculda Dehoniana“ als Theolologisch- Philosophische Hochschule und die Pfarrei-Kommunitäten. Wir feiern heute „Apresentação do Senhor“ – „Darstellung des Herrn“. So wie wir in Deutschland auch „Lichtmess“ sagen, kennt man hier als zweite Bezeichnung „Candelaria“. Sehr beliebt ist natürlich auch die „Benção de São Bras“, der Blasiussegen. Der 2. Februar ist für viele Herz-Jesu-Priester auch der Tag der Gelübdeablegung. Pater Kunz feiert heute sein 50. Jubiläum, ihm haben wir beim Frühstück gleich mit einem herzlichen „Parabens“ gratuliert.




01.02.2012 IMSJT

Besuch im „Instituto Meninos de São Judas Tadeu“ IMSJT

Im Januar 1940 wurden in Sao Paulo 25 neue Pfarreien gegründet. Die Pfarrei zum Apostel Judas Thaddäus wurde der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester anvertraut, erster Pfarrer wurde P. João Buescher. In dieser Ausbauphase entstand 1946 das Instituto Meninos de São Judas Tadeu IMSJT. 1950 wurde P.Gregorio Westrupp zum Leiter ernannt. Er prägte die Ziele der sozialen Einrichtung und baute sie zu einem Ort für verlassene und verwaiste Kinder aus. Von Anfang an hatte das IMSTJ das gleiche Ideal: Liebe und Wiedergutmachung; ebenso den gleichen Auftrag: Kinder zu unterstützen und zu erziehen.  Über die Jahre hinweg konnten über tausend Kinder und Jugendliche hier Orientierung für das Leben, grundlegende Erziehung, Nahrung und Schutz finden und ihre eigenen Fähigkeiten entdecken. Das IMSJT ist heute kein Waisenhaus mehr sondern eher einer Tagesförder-Einrichtung zu vergleichen.

http://www.imsjt.org.br/

http://www.saojudas.org.br/atendimento.html


31.02.2012 Sao Paulo

Gut in Brasilien angekommen!
nach gut 20 Reise-Stunden kam ich gestern Abend in Sao Paulo an, wo mich Provinzial Mariano Weizenmann schon erwartete. Heute Morgen weckte mich ein ungewohnter Klang von draußen und jetzt gerade sitzt ein gelber Vogel meinem Fenster gegenüber und zwitschert. Schon eine kleine Umstellung vom "Eifel-Winter" in den "Brasilianischen-Sommer" zu kommen. Im Flugzeug hatten noch alle Strickpullis und Schals um, kurz vor der Ankunft wurde dann alles bis auf's T-Shirt reduziert, 22 Grad sind für den Anfang gut auszuhalten. Bis Donnerstag werde ich hier im Provinzialat sein und vielleicht auch noch ein wenig von der Stadt anssehen.